Während der alliierten Besatzungszeit von 1945 bis 1949 war die innerdeutsche Grenze noch grün - sprich relativ unbefestigt und überwindbar. Trotzdem trennte sie streng Ortschaften und Menschen. So auch Schierke und Braunlage. Notstände bei der Beschaffung von Waren waren eine Folge. Schierke fehlte es an Lebensmitteln, Braunlage an „geistigen“ Getränken. Schnell entwickelte sich ein reger Schmuggelbetrieb auf einem Pfad, der im Volksmund bald Schluck- oder Heringsweg genannt wurde. Mit Ausbau der Grenzanlagen kam der Warenaustausch jedoch zum Erliegen.

Das änderte sich erst wieder, als mit der Wende die Grenze fiel. Damit kam der legendäre Fußweg zwischen Schierke und Braunlage zu neuen Ehren: Mitglieder beider Harzklubvereine hatten in Eigenarbeit den Brückenschlag über die Bremke beim Rastplatz am Kaffeehorst geschaffen. Seither trifft man sich hier alljährlich zum Fachsimpeln und erinnnert mit einem symbolischen Austausch einer Flasche Schierker Feuerstein* gegen ein Glas Hering an die einstige Notzeit.

Das 25jährige Jubiläum 2015 war ein guter Anlass für mich, das legendäre Schmugglertreffen einmal vor die Videolinse zu nehmen. Das zweite Video, thematisch passend, handelt von einer verloren geglaubten Bratwurst-Rezeptur...

SCHMUGGLERTREFFEN
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*Der Kräuterlikör "Schierker Feuerstein" wurde vom Schierker Apotheker Willi Drube aus heimischen Heilkräutern entwickelt und die Rezeptur 1924 patentiert. Drube musste nächtens oftmals Kurgäste aufsuchen, wenn diese nach fettreichen Mahlzeiten Magenprobleme bekamen. Irgendwann verabreichte er nicht mehr die gewöhnlichen Pülverchen, sondern die Medizin aus der Flasche. Die rotbraune Flüssigkeit mit einem Alkoholgehalt von 35% brachte ihm wie den Kurgästen die Nachtruhe zurück - und darüber hinaus viel Geld ein. Da verwundert es nicht, dass das Getränk sogar auf seinen Grabstein eine Erwähnung findet... FOTO