2016

Zum Jahreswechsel

Zeitungen, Journale und andere Medien nehmen regelmäßig den Jahreswechsel zum Anlass, um Rückschau zu halten und an vergangene Ereignisse zu erinnern. Meist betrifft es Geschehnisse, die überwältigend, sensationell, traurig, entsetzlich oder großartig waren. Mich erstaunt dabei immer wieder, wie schnell derart scheinbar überragende und unvergessliche Begebenheiten aus dem Gedächtnis verschwunden sind.

Auch im persönlichen und privaten Bereich glückt dann und wann der Rückblick auf das vergangene Jahr, gepaart mit guten Vorsätzen für das kommende Jahr. Doch was passiert mit all den Erinnerungen in Form einer Lebensbetrachtung? Meist verflüchtigen sie sich, gehen verloren, schleichen sich fort, geraten in Vergessenheit. Welche sollte man unbedingt bewahren, welche tilgen? Und wie gelingt sowohl das Eine wie das Andere? Eine wunderbare Anregung zum Umgang mit Erinnerungen findet sich im heiter-besinnlichen Gedicht "Besuch" aus dem Gedichtband "Katergedichte" von Rolf Lüer. Foto bitte anklicken

Museumsgesellschaft mit Kalender 2017

Seit 1990 gibt die Museumsgesellschaft einen Kalender mit interessanten Aufnahmen aus vergangenen Braunlager Zeiten heraus. Neu war im letzten Jahr, dass auf der Rückseite eines Monatsblattes der Vergleich "Einst und Jetzt" mittels Fotos dokumentiert wurde.

Der diesjährige Kalender steht unter dem Motto "Ausflugsziele". Garniert wurde das jeweilige Monatsblatt nicht nur wieder mit Fotovergleich, sondern zusätzlich mit vielen Informationen zum Ziel. Wer sich also mit "Alt-Braunlage" durch 2017 begleiten lassen möchte, ist hiermit gut bedient.

Erhältlich ist der Kalender u.a. im Museum.

Lachhaftes

Nr.1

Zwei Beamte treffen sich morgens um 7 Uhr im Flur vom Rathaus. "Mein Gott", sagt der Erste, "du siehst ja völlig fertig aus. Was ist denn Grauenvolles passiert in aller Herrgottsfrüh?"

Der zweite Beamte ringt nach Luft. "Fix und fertig bin ich. Stell dir vor: ich war zu spät dran und habe nur mit Mühe und Not in allerletzter Sekunde die Stechuhr erreicht ... ehe sie im 5 Minuten-Takt weitergesprungen wäre!"

"Ach, du lieber Himmel," ist der Erste entsetzt, "dann hättest du Armer am Abend ja noch 5 Minuten dranhängen müssen."

Nr.2

Angestellter in der Autobranche: "Vom Weihnachtsgeld kaufe ich mir ein Auto und vom Rest fahre ich in den Urlaub."

Angestellter in der IT-Branche: "Ich lasse mir davon einen Swimmingpool bauen und mache mit dem Rest eine Weltreise."

Beamter im öffentlichen Dienst: "Ich kaufe mir einen warmen Rollkragenpullover"

Die beiden Angestellten fragen nach: "Und der Rest?"

Beamter: "Den Rest geben mir meine Eltern dazu!"

Satte Beute mit einer Pfandflasche

Wie kann man das Recycling-System einer Plastikpfandflasche optimieren, fragte sich offenbar ein Getränkehändler, nachdem er einen großen Schluck aus der Wasserpulle genommen hatte. Endlich kam ihm die zündende Idee. Gedacht, getan. Mit Hilfe eines Holztunnels und eines Magnetsensors manipulierte er seinen eigenen Pfandrückgabeautomaten derart, dass die Flasche zwar gescannt, aber nicht geschreddert wurde. Und dass machte er im Laufe der Zeit ungefähr 180.000 Mal und kassierte dafür die erkleckliche Summe von rund 44.000 €. Damit ihm nicht langweilig wurde, hörte er nebenbei Radio. Eine logistische Meisterleistung, attestierte sogar das Gericht, das ihn nach einem anonymen Hinweis den Prozess machte und am Ende zu zehn Monaten Haft verurteilte. Eigenartigerweise schöpfte die für den Pfandausgleich zuständige Deutsche Pfandsystem GmbH überhaupt keinen Verdacht.

Ich frage mich jetzt, was mit der einträglichen Pfandflasche passiert. Wird sie vergoldet und bringt am Ende dem einst Unermüdlichen in einer Auktion nochmals 44.000 €? Zu gönnen wäre es dem jetzt Inhaftierten – gerade zu Weihnachten.

Kriegerdenkmäler in Braunlage

Neben der ev.Kirche in Braunlage steht ein Kriegerdenkmal beschriftet mit den Namen jener Einheimischen, die als Soldaten im 1.Weltkrieg ihr Leben ließen. Ein weiterer Gedenkstein steht an der Kreuzung von Langen Straße / Schultal und erinnert an die Völkerschlacht bei Leipzig von 1813. Dieser Granitfindling wurde 1913 - also hundert Jahre später - im Rahmen eines Festwochenendes feierlich eingeweiht. Im Kurgarten direkt hinter der Schule befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewalt. Und schließlich haben ehemalige Verwundete und Veteranen einen Gedenkstein an der Verlobungswiese gestiftet.

Der Ursprung von Denkmälern und Gedenktafeln geht auf König Friedrich-Wilhelm II. von Preußen zurück. Die Denkmäler für gefallene Krieger sollten den Angehörigen Trost spenden und dem Tod ihrer Lieben einen ehrenhaften Sinn verleihen. Zudem hatte er 1813 mit dem „Eisernen Kreuz“ einen Orden geschaffen, um verdiente Soldaten auszuzeichnen.

Auch heute noch werden am Volkstrauertag Kränze an den Denkmälern niedergelegt. In Gedenkfeiern wird der Toten gedacht und an das Grauen vergangener Kriege erinnert unter dem Motto: „Verleih uns Frieden“. Im Protest gegen Kriegstreiberei und andere Gräueltaten liegt auch meine Intention, die heimischen Denkmäler zu fotografieren und hier zu präsentieren. (Fotos zur Vergrößerung bitte anklicken)

Reformator Martin Luther

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele zum Himmel springt“, versprach der Dominikanermönch Johann Tetzel vor 500 Jahren den Menschen, die aus Angst vor der Hölle als Strafe für ein sündiges Leben sogenannte Ablassbriefe kauften. Doch wäre der dreiste Ablasshändler Tetzel längst vergessen, hätte sich sein Lebensweg nicht mit dem Martin Luthers zufällig gekreuzt.

Denn Luther erkannte im „Schacher um die menschliche Seele“ einen Verrat an der Botschaft des Neuen Testaments. „Der Papst kann nicht irgendeine Schuld erlassen“, urteilt er – und pappt am 31.Oktober 1517 seine 95 Thesen ans Tor der Wittenberger Schlosskirche. „Hier stehe ich und kann nicht anders“. Der historische Verlauf dieses aufbegehrenden Streiches ist allgemein bekannt. Infolge dessen habe ich zum Beispiel nicht als Firmling die Kommunion gespendet bekommen, sondern empfing als Konfirmand in einer Reformationskirche die Einsegnung ins evangelische Erwachsenenalter.

Nun ist der große Reformator Luther, dessen weitere bahnbrechende Leistung in der Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Griechischen ins Deutsche besteht, wieder in aller Munde: Sein revolutionärer Frontalangriff gegen die katholische Kirche jährt sich 2017 zum fünfhundertsten Male. Dieses Jubiläum wird vom diesjährigen Reformationstag an für ein ganzes Jahr in vielen Veranstaltungen gewürdigt.

Mein Freund Rolf prüfte in der Lutherstadt Wittenberg schon mal den Stand der Feierlichkeiten und schoss dabei ein Foto mit erstaunlicher Umdeutung der Lutherischen Thesen. Jetzt fehlt nur noch, dass im Lutherjahr der clevere Tetzel zur Ikone innovativer Werbestrategie ausgerufen wird.

Bizarre Sammlerstücke ...

...erzielen auf Versteigerungsauktionen mitunter absurde Beträge. Insbesondere, wenn ein früher Tod die Hinterlassenschaft ihrer mythologisierten Besitzer in Grenzen hält.

Beispiel Jimi Hendrix. Einer Überlieferung zufolge soll er bei einem Konzert im November 1966 gefrustet seine Gitarre kurz und klein gedroschen haben, weil sein Name im Ankündigungsschriftzug (Jimmy statt Jimi) falsch geschrieben war. Das Publikum reagierte mit Gejohle, worauf sein damaliger Manager Chas Chandler (Bassist der legendären Animals) im Zertrümmerungsakt ein unverwechselbares Markenzeichen sah. Und bald schon galt Jimis Gitarrenzerstörung als Ritual für einen rebellischen Zeitgeist. 1967 beim Monterey-Popfestival ging Hendrix noch einen Schritt weiter und entfachte auf offener Bühne mit dem Gitarrenkorpus ein Feuerchen - dokumentiert im Festivalfilm von D.A.Pennemaker. Darauf folgten viele Nachahmer. Doch Nachahmer sind gähnend langweilig. Deshalb verwundert es nicht, dass bei einer Auktion im Jahre 2008 eine dieser angesengten Jimi-Gitarren für den unvorstellbaren Betrag von 345.000€ versteigert werden konnte.

Anmerkung: 19.5.2017 - heute brachte die GZ einen Bericht über Jimis schwarz-weiße Fender-Stratocaster, die beim Montery-Festival zum Einsatz kam und jetzt wieder versteigert werden soll. Startpreis 500.000 Dollar, erwartet werden 750.000 Dollar. (KLICK)

Beispiel Eva Braun. Von der Hitler-Geliebten ging ein spitzenbesetzter lila Schlüpper mit ihren Initialen für 3.250 € über den Auktionstisch. Wer das Wäschestück ersteigert hat und welchen Fetisch der neue Eigentümer damit verbindet, blieb ebenso im Dunkel verborgen wie der Name des Vorbesitzers. Das wirft die Frage auf, wie eine gebrauchte Unterhose überhaupt auf ihre Echtheit überprüft werden kann? Initialen lassen sich jederzeit einnähen. Ob eventuell ein brauner Streifen als charakteristisches Beweismittel für die Anerkennung diente, ist selbst vor dem historischen Hintergrund ihrer Erstbesitzerin doch eher nicht anzunehmen ...

Parodien

Nachahmen, kopieren, parodieren: wer nachgeäfft wird, hat es zu etwas gebracht. Die meist parodierte Spezies dürfte immer die aktuelle Politikerriege sein. Doch mit ihrem Ausscheiden aus Amt und Würden überlebt sich meist auch ihre Parodie.

Künstler hingegen werder eher selten imitiert. Nur Wenigen ist dieses Prädikat vergönnt. Einer, der sich mit seinen exzentrischen Wutausbrüchen und legendären Beschimpfungen die Imitation redlich verdient hat, ist der 1991 verstorbene Schauspieler Klaus Kinski. Beispiel siehe Link hier (Youtube)

Sein Kollege, Max Giermann, spezialisierte sich auf dessen Darstellung und scheint mittlerweile das Original sogar zu übertrumpfen. So zum Beispiel in der ZDF-Serie "Sketch-History".
Klick aufs Foto rechts führt zum Link (Youtube)

Es ist übrigens nicht neu, dass Kopien mehr Zustimmung bekommen als das Original. Dies musste schon der unvergessene nuschelnde Schauspieler Hans Moser erfahren. In einem "Hans-Moser-Imitieren"-Wettbewerb belegte er höchstselbst nur den vierten Platz...

DFB-Museum Dortmund

Dortmund und der BVB – 'echte Liebe'. Obwohl über 80.000 Zuschauer ins Stadion passen, ist der Erwerb einer Eintrittskarte im freien Vorverkauf mit einem Fünfer im Lotto gleichzusetzen. Und diese 'echte Liebe' hält immer an, nicht nur bei hochkarätigen Gegnern.

Ist der (überteuerte) Kartenerwerb gelungen, empfiehlt sich eine angemessene mentale Vorbereitung. Seit einiger Zeit beherbergt Dortmund das DFB-Museum. Der zentrale Erinnerungsort des deutschen Fußballs liegt direkt gegenüber dem Bahnhof. Den Besucher empfängt ein Rundgang der besonderen Art, an einem Ort voller magischer Bilder und Töne, Trophäen und Zeugnisse der Erfolge unserer Nationalmannschaften aus rund 100 Jahren. Hier wird alles gewürdigt, was das runde Leder hergibt! Besondere Wertschätzung erfährt zu Recht der erste WM-Gewinn 1954: zu hören und zu sehen sind die legendären Originalübertragungen von Rundfunk und Fernsehen auf Geräten aus damaliger Zeit.

 Über dieses Ereignis in der Ausstellung handelt auch mein kleiner Film. (Foto bitte anklicken)

Vielfalt

Machen wir uns nichts vor: unsere deutsche Umgangssprache ist bis heute uneinheitlich. Außerhalb ihrer Sprachgrenzen versteht man weder den allgäuerischen Bayern noch den plattdeutschen Friesen, den sächselnden Thüringer oder den schwäbelnden Baden-Württemberger. Ich denke allein nur an die morgendliche Backoffenbarung:

norddeutsch Brötchen, berlinerisch Schrippe,
pfälzisch Weck und bairisch Semmel.

In Braunlage wird das Backwerk auch verkürzt "Brötel“ genannt. Dieser Begriff geht auf eine hanebüchene Erzählung zurück, die mir der alte Tippe unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraute. Aber lese ein jeder selber den Bericht. Wer mehr erfahren möchte aus alten Braunläger Zeiten, klicke bitte hier

Alles unter einem Dach

Die letzte Honorar-Abrechnung des Deutschen Theaterverlags brachte es ans Licht:   Das Theaterstück „Alles unter einem Dach“, das ich mit meiner Co-Autorin Esther Rager 2006 geschrieben habe, wird bereits seit zehn (10!!) Jahren ununterbrochen auf deutschen Bühnen in diversen Theatern gespielt! Darauf darf man schon ein wenig stolz sein.

Die Komödie wurde und wird von Amateurbühnen in unterschiedlichen Mundarten einstudiert, sogar eine niederdeutsche Übersetzung existiert (klick). Die Rezensionen in den Zeitungen berichten „über zwei Stunden Vergnügen“, von „Gag-Feuerwerk“ und „Attacken auf das Zwerchfell“. Eine Besonderheit gelang der Heimatbühne Herringen: Durch die Verlegung einer Ringschleife konnten hörgeschädigte Menschen mit Implantaten und Hörgeräten das Stück in bester Qualität genießen. Mit dem Theaterstück haben wir uns eines sozialen Brennpunkts angenommen: Was passiert, wenn öffentlich geförderter Wohnungsbau privatisiert wird? Was geschieht mit den langjährigen Mietern? Wie reagiert eine gewachsene Hausgemeinschaft auf die plötzliche Bedrohung? Das Ganze aufbereitet mit Humor und skurilen Einfällen, liebevoll gezeichneten Charakteren und einem unerwarteten Ende. Mit diesen Zutaten sorgen die engagierten und freudvoll agierenden Schauspieler seit zehn Jahren für ein heiteres Theaterereignis.

Gewöhnlich erfahren wir Autoren nur über die jährliche Abrechnung von den Spielorten. Hin und wieder gibt es jedoch auch mal direkten Kontakt mit den Bühnen. Und somit die Gelegenheit, einer Aufführung beizuwohnen. Besondere Freude für uns, wenn die Schauspieler berichten, schon bei der Einstudierung dieses Stückes so viel Spaß gehabt zu haben wie selten.

Reisefreuden

"Der Sinn des Reisen besteht darin, die Vorstellungen mit der Wirklichkeit auszugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen, wie sie sind." // Diese Feststellung traf der englische Gelehrte und Schriftsteller Samuel Johnson bereits vor über 200 Jahren. Manches ändert sich jedoch mit der Zeit, zum Beispiel die Form des Reisens. Siehe nachfolgende Betrachtung...

................................................................. ....................... .......

Vorhaben

Morgen werde ich mich ändern; gestern wollte ich es heute schon.

Christine Busta, österr. Lyrikerin

100 Jahre Heimatmuseum und Harzer Heimattag

Am ersten Juli-Wochenende feierte Braunlage gleich zwei Ereignisse: den 100.Geburtstag der Museumsgesellschaft Braunlage und den Harzer Heimattag. Gebührender Anlass für ein rauschendes Fest. Da hatte selbst der Wettergott ein Einsehen - und so wurden die mitgebrachten Regenschirme prompt als Sonnenschutz umfunktioniert. Im gesamten Ort herrschte heiteres Treiben nach dem Motto „der Harz bietet Moderne und Tradition zugleich“, wie es der Harzklub-Vorsitzende Dr.Junk formulierte. Peitschenknallen und alpenländischer Gesang trafen auf flotte Walpurgishexen, im Gleichschritt marschierende Schützen wurden von Fahnenträgern auf Rollerskates umrundet. Und wo ehedem Honoratioren und verdiente Mitglieder huldvoll aus der Pferdekutsche winkten, passierte das heute leger aus dem Cabrio.

Das Museum mit seinem „Tag der offenen Tür“ legt naturgemäß eher Zeugnis ab aus vergangenen Tagen. Wer sich auf die beeindruckende Vielzahl der Exponate einließ, erhielt einen interessanten Einblick in die Ski- und Arbeitswelt unserer Vorfahren und die jüngere Vergangenheit. Viel ehrenamtliches Engagement und bekennende Liebe zum Harz steckten hinter dem rundum gelungenen und harmonischen Festwochenende. (siehe auch Video)

Wer mehr Informationen zur Historie des Museums und zum Heimattag erfahren möchte, ist mit der Broschüre von Heinz-Jörg Fulst bestens bedient. Von Jörg stammt auch das äußerst lesenswerte Buch über das Harzer Eishockey. Beide Publikationen sind im Museum Braunlage jeweils Dienstags und Freitags in der Zeit von 10-12 Uhr erhältlich.

Alles wurscht...

Sobald die Sonne scheint und die Temperaturen mitspielen, beginnt hierzulande die Grillsaison. Das Vergnügen dürfte sich ab nächsten Freitag mit der beginnenden Fußball-EM in Frankreich verstärken und für eine vierwöchige Hochphase am Bratrost sorgen - wohl unabhängig von den Wetterbedingungen. Der hochmotivierte Brutzler wird schon tüchtig vorgesorgt haben. Die Vorräte an Grillwurst sind aufgefüllt und die obligaten Getränken kalt gestellt.

Übrigens: Wer das Grillen erfunden hat, ist nicht überliefert. Vermutlich hatten bereits die Steinzeitmenschen entdeckt, dass ein ins Feuer geworfenes Stück Fleisch wesentlich besser schmeckte. Die Profivariante „Barbecue“ erfand nachweislich ein haitischer Indianerstamm. Als Soße verwendeten sie angeblich Blut. Die martialische Tunke ersetzte später die Firma Heinz durch Ketchup.

Von der Brutzelei habe ich erst mit Vollzug der Volljährigkeit erfahren.  In meiner Kindheit war Fleisch auf dem Tisch Mangelware. Gegrilltes kannte ich daher nur aus dem Physikunterricht in der Schule, wenn der Bunsenbrenner zu heiß geworden war und bei Unachtsamkeit den Arm ansengte.

Eine andere Erfahrung machte Esther. Als sie ihre Heimat Bayern verließ, um in Hamburg das Essen zu studieren, wollte sie vorerst auf alte Wurstgewohnheiten nicht verzichten. Und führte prompt in der Hansestadt die Weißwurst ein. Alles Nähere dazu hier..

Gegem die Langeweile

Das Fernsehen ist nicht mehr Spiegel, sondern Fabrikant der Wirklichkeit, behauptet der russische Autor Pomerantsev. Daran dachte ich, als ich einen Blick in die Mai-Ausgabe der Kino-News warf. In den angepriesenen Filmen geht es hauptsächlich um Gewalt und blutige Konflikte zwischen angeblich Gut und Böse. Reißerische Titel wie „Gemeinsam leben oder allein sterben“, „Nett war gestern“ oder „Nur die Stärksten überleben“ weisen direkt auf den kriegerischen Inhalt hin. Dem differenzierten (wohl meist älteren) Kinobesucher dürfte es bei dieser einseitigen Thematik ergehen wie dem Vegetarier nach einem ausgeuferten Barbecue: Er kämpft gegen den Brechreiz!

Wenn also das Fernsehen die Wirklichkeit fabriziert, wie ist es diesbezüglich um den Film bestellt? Bilder aus der Zukunft?

Optimistisch betrachtet, ist diese Sorge wohl unbegründet. Ich sehe es vielmehr als ein Indiz für zunehmende Langeweile.  Für einen übersättigten, auf Action getrimmten Kinobesucher entwickelt ein Film ohne Kugelhagel und Millionenschäden offenbar keine Spannung mehr.

Der gute Geist

Einen Blick in die Zeit nehmen. Zwei Fotografien vom selben Gebäude, kaum Ähnlichkeit mehr, denn dazwischen liegen 100 Jahre. Das Sanatorium auf dem älteren Bild erinnert in seiner Winteridylle an den Zauberberg von Thomas Mann. Das kam mir in den Sinn, als ich in der Arztpraxis die beiden Fotos mit der Ansicht früher/heute entdeckte.

Hingegen ist der Praxisbau wie das Interieur im vertrauten Wartezimmer seit Jahrzehnten unverändert. Was sich gewandelt hat, ist der Betriebsablauf. Früher war hier um diese Zeit kaum ein Stuhl zu ergattern. Wer nicht Stunden warten wollte, musste früh aufstehen. Der einstige Arzt genoss einen legendären Ruf. Tag und Nacht erreichbar, kompetent, überzeugend, zupackend. So wie sein damaliges Personal. Vertraut, liebenswürdig, verständnisvoll. Der Patient kein Namenloser, der familiäre Hintergrund bekannt. Heute ist alles mehr ein Managementbetrieb. Die Arzthelferinnen fragen freundlich nach Namen und Begehr, aber alles stromlienenförmig, kühl, distanziert. Das setzt sich in der Praxis fort, bei der Blutabnahme ebenso wie beim Arztgespräch. Die Werte werden verglichen, kommentiert und mit entsprechenden Ratschlägen versehen. Es gibt keinen Grund zur Klage – und doch ... eine noch an frührere Konsultationen angelehnte Erwartungshaltung produziert irgendwie Unmut in mir.

Ich kann mir denken, dass die Meinung der Belegschaft über ältere Patienten ähnlich ausfällt. Dass diese keine Ahnung haben von den heutigen Problemen einer Arztpraxis in Bezug auf Behörden und Abrechnungen mit Krankenkassen etc. - und Zeit streng bemessen ist.

Da ist der Vergleich, ob sich baulich eine Veränderung vollzogen hat oder nicht, eher unerheblich. Es sind immer Menschen, die den Dingen eine Seele geben.

Ein Gedicht, dem Vater zum Gedenken

Mein Sohn, sprach einst der kluge Vater schon, folge dem feisten Verführer nicht.

Widerstehe des Mammons güldenem Schein und meide,
wer ködernd Ansehen und Kostbarkeiten dir verspricht.

Habgieriges Geschmeiß rafft allerlei, doch eitler Protz führt Untergang herbei.

August der Maler, 1924-2000

HARZSILVESTER

Am 30.April war es wieder soweit: Harzsilvester! Jubilierende Hexen flogen auf getunten Besen zum Blocksberg (Brocken), um sich mit liebestollen Teufeln zu paaren. So jedenfalls schreibt Devil Leaks.

1896 fand auf dem Harzer Sagenberg das erste organisierte Massenhappening statt. Wer dabei war, wird sich noch an das unwirtliche Wetter erinnern. Die diabolische Einflugschneise war am Ende mit abgestürzten Hexen nur so übersät. Daraufhin sprach der Oberteufel ein Machtwort: 'Viel zu gefährlich. Wir verteilen das aphrodisierende Gelage auf den gesamten Harz. Aus der sich daraus entwickelnden wüsten Tollerei werden bald ganze Dörfer dem ungezügelten Ruf Satans folgen.' - Gesagt, getan. Seitdem geht es rund in der Nacht zum 1.Mai im nördlichsten Mittelgebirge Deutschlands.

Doch die organisierte Orgie ist nur eine Seite. Wer sich für die wahren Beweggründe der angeblich bösen Mächte interessiert, kommt an der 80er Jahre MTS-Serie "Die Seelenjäger" nicht vorbei. Nur hier wird glaubhaft geschildert, wie schwierig der Überlebenskampf einer Teufelsfamilie in einer tiefgläubigen Gegend überhaupt ist.

Skispringen auf Kunststoffmatten

Grün oder weiß – für Skispringer ist die Aufsprungfläche nicht mehr so maßgeblich. Das Skispringen entwickelt sich zum Ganzjahressport. Statt händeringend auf die weiße Pracht zu warten und über den Klimawechsel zu sinnieren, ersonnen helle Köpfe die Unabhängigkeit von der einstigen Primärbedingung Schnee. Alternativ wird dabei der Aufsprungbereich mit Kunststoffmatten ausgelegt, die gewässert eine ähnliche Gleitfähigkeit wie Schnee aufweisen. Der Anlauf besteht zumeist aus einer Keramik- oder Porzellanspur. Natürlich ist jede „grüne“ Schanzenanlage TÜV-geprüft und mit einer Zertifizierung des Deutschen Skiverbandes geadelt. So kann nur derber Wind eine Sprunglauf-Veranstaltung noch stoppen. (siehe Video vom Mattenspringen auf der Brlg. Brockenwegschanze, 5Min. 86MB)

Deutsche Meisterschaften im Setzbügel-Eisschiessen

Eine Veranstaltung mit Spaßfaktor. Statt wie beim verwandten Eisstockschiessen eine rote Daube zu treffen, schlittern die Bügeleisen gegen bunte Holzkegel mit unterschiedlichem Wert. Die Punkte werden addiert und wer am Ende ... darf sich Deutscher Meister nennen. Natürlich nach Frauen, Männern und Kindern getrennt. Die ungewöhnliche Idee wurde vor rund 30 Jahren geboren. Gewiss Folge eines Dachbodenfunds, denn zu Urgroßmutters Zeiten gehörte ein Plätteisen in jeden Haushalt. Oma glättete damit die Klamotten, die Männer das Hartwachs auf ihren Skiern. Kinder hingegen formulierten mit dem Hinweis auf das Haushaltsgerät gern ihre Auflehnung: „Ich habe doch nicht am Plätteisen geleckt.“ Dieses Motto wandelte später eine große Handelskette zu ihrem Slogan: „Ich bin doch nicht blöd.“

Wer Lust auf bewegte Bilder von der Veranstaltung hat, wird unter Videothek fündig.

Osterfeuer

Loderndes Feuer, knisternde und zischelnde Glutnester, die losgelöst in den dunklen Abendhimmel stieben, Hitze und heller Feuerschein – im ganzen Land brennen zu Ostern wieder hochgetürmte Haufen. Hier und da „gekrönt“ mit einer Puppe, die unter Gejohle den gefräßigen Flammen zum Opfer fällt. Auch ohne Hexenverbrennung scheint das Interesse am Brauchtum dieser Art lebendig zu sein. Vielerorts missbrauchen Zeitgenossen jedoch die schöne Sitte zur Abfallentsorgung und lassen manchen freiwilligen Helfer und Wächter über Holzstoss und Feuer resignieren. Dazu erschweren bürokratische Hürden und verschärfte Verordnungen zur Durchführung von offenem Feuer das beliebte Brauchtum und manch Holzstoss wird daher gar nicht erst entzündet. Aber kein Grund zu verzagen und sich zu grämen: das digitale Zeitalter bietet Alternativen! Denn wo einst der aufgetürmte Holzstoss seinen Feuerschein gen Himmel schickte, schauen die versammelten Besucher jetzt auf ihre Smartphones. Sie ergötzen sich an wunderbaren Filmen mit hellem Feuerschein und knisternden Glutnestern. Mickrig gegenüber einem Großbrand und nicht ganz so romantisch, aber dafür qualmfrei, ohne Auflagen und zeitgemäß – Osterfeuer Version 2.0...

50 Jahre Beat-Club Langelsheim

Pfingsten 1971: Klein-Woodstock im Harz. 30.000 Besucher kamen nach Langelsheim, um hier ein Festival zu erleben, das in seiner Strahlkraft an das Ureignis heranreichen sollte: Colosseum, Steamhammer, Ekseption, Man, Family, Can, Frumpy, Faces, Eloy, Status Quo, Nektar, Scorpions und viele mehr standen auf dem Konzertplakat. Die Aufzählung liest sich heute wie ein Auszug aus einem Rocklexikon. Drei Tage, an dem im 6.000 Seelen-Städtchen aber auch Schlagzeilen dominierten wie: „Hasch und Liebe“ - „Hippies nackt im „Innerste-Bett“ – „Ärzte sorgen für Rauschgiftgeschädigte“ „Strenge Haschischwolken“ - "Einwohner beschweren sich über ruhestörenden Lärm“.

Nun, ich erinnere mich zuallererst an großartige Musik. Erstmals bekam ich sozusagen vor der Haustür die Gelegenheit, Gruppen zu bestaunen, deren Musik ich sonst nur vom Plattenteller genießen konnte. Mit Udo, Matthe und Uli waren wir zu viert nach Langelsheim gekommen (siehe Fotos). Leider war das Ereignis gleichzeitig Höhepunkt und Abschied von der Festivalkultur im Harz. Denn die Behörden verhinderten alle Versuche einer Fortsetzung. Rühriger Veranstalter war der Betreiber des ebenfalls in Langelsheim ansässigen Beat Clubs, Werner „Wenne“ Liebig. In seinem Musikclub - vormals Astoria-Kino - gab sich über ein Jahrzehnt das „Who is Who“ der Rockmusik ein buntes Stelldichein.

Der schon legendäre Impresario blickt in diesen Tagen auf 50 Jahre Business zurück. Und wird das Jubiläum im Beatclub vom 17.-19.März und am 4.Juni zünftig feiern. – Wer mehr über „Wenne“ erfahren möchte, klick bitte hier.

Die doppelte Braut

„Meine Tochter heiratet zum zweiten Mal in diesem Jahr,“ sagte unlängst ein Bekannter zu mir. Das sei allerdings ungewöhnlich, meinte ich und äußerte mein Erstaunen, dass die Scheidung ungewöhnlich schnell dahingegangen wäre. „Wer spricht hier von Scheidung,“ sagte der Bekannte und schüttelte befremdet den Kopf. Ich muss ihn daraufhin wohl seltsam gemustert haben, denn er setzte hinzu: „Nein, nein, meine Tochter heiratet ihren Mann. Zum zweiten Mal ... verstehst du?“ Nein, ich verstand nicht. Überhaupt nicht. „Das ist der neueste Trend jetzt." Nennt sich 'Ball der Bräute' und ist für Ehepaare, die das Gefühl ihrer eigenen Hochzeit noch einmal aufleben lassen wollen." Und er führte weiter aus, dass die zweite Hochzeit ganz entspannt und ohne Aufregung durch die förmlichen Dinge ablaufen werde. Natürlich in der noch passenden Kleidung, mit Hochzeitstorte, Sägen und dem ganzen Halleluja. Und die Tochter sei genauso aufgeregt wie beim ersten Mal. Doch im Gegenatz zur eigentlichen Hochzeit kann sie sich jetzt dem guten Essen widmen und den Fokus auf Entschleunigung und Ruhe legen, denn seinerzeit hat sie kaum einen Bissen runtergekriegt.

 Mir schoss Einiges durch den Kopf. Flüchtlinge, Hungernde, sozial Schwache – was werden sie denken, wenn sie von dieser Veranstaltung hören. Welche übrigens ein Import aus Österreich und ein Ableger des Wiener Opernballs sein soll. Jedenfalls reiben sich jetzt die Hochzeitsausstatter auch hierzulande die Hände. „Schönen Gruß und viel Spaß!“ sagte ich. Worauf der doppelte Brautvater meinte: „ Ist doch eine schöne Sache, statt dauernd diese Negativmeldungen... Kannst ja mal etwas darüber schreiben.“ --- Was hiermit geschehen ist. 

Erinnerung an ein Lebensgefühl

„Sag mir, was du hörst, und ich sage dir, wer du bist“ war in den Sechzigern eine gern gebrauchte Floskel unter ambitionierten Jugendlichen. Sie grenzten sich vom überholten Muff einer auf biederen Wohlstand ausgerichteten Gesellschaft ab und ließen die Haare wachsen, hängten sich Kettchen um, steckten Blumen ins Haar und trugen Miniröcke oder zweifarbige Hosen. Die Suche nach einer eigenen Identität begann - auch musikalisch. Der Rock’n Roll hatte bereits ein Jahrzehnt zuvor die Initializündung gegeben. So berichtete seinerzeit eine Wochenschau über den 'rockig-rolligen' Tanzstil mit ungewöhnlichen Verrenkungen und halsbrecherischen Überwürfen, eine Krankheit sei über die Jugend hereingebrochen und man "wünsche baldige Genesung" (klick hier).

In den 60er Jahren kochte mit Beatles und Rolling Stones die Beatwelle hoch und setzte eine Massenbewegung in Gang. Millionen von Heranwachsenden griffen erstmals nicht zu den Waffen, sondern zu Instrumenten. Beatbands schossen wie Pilze aus dem Boden. Die einfache Instrumentierung mit elektrisch verstärkten Gitarren, Bässen und Schlagzeug sorgte für frischen Wind am Musikerhimmel. Die zumeist fehlende fundierte Ausbildung wurde durch Feuereifer und leidenschaftliche Identifikation mit dem Musikstil wettgemacht. Allein die Zugehörigkeit zu einer Beatband erhöhte die Daseinsfreude und schuf Selbstwertgefühl.

50 Jahre später. Rückblick auf die eigene Bandgründung 1966. Meine einstigen Mitstreiter (Udo, Petzi, Rolf, Norbert) und ich erinnern uns an unsere dreijährige „Beatband-Karriere.“ Zum Video klick hier

Helle Aufregung um Schokoriegel

Donner noch eins. Die Schokoriegel-Affäre beschäftigte tagelang sämtliche Medien gleichrangig neben Grenzsicherung und Flüchtlingswelle. Beim Verzehr eines Mini-Snickers hatte eine Kundin einen Plastiksplitter entdeckt und ihren gefährlichen Fund öffentlich gemacht. Sogar die Regierung schaltete sich ein. Der Ernährungsminister forderte vom Hersteller lückenlose Aufklärung: „Bei der Gesundheit der Verbraucher dürfen keine Risiken eingegangen werden.“

Wie meint er das? Plastiksplitter in Schokoriegeln haben generell dort nichts zu suchen. Zu groß ist die Gefahr, dass den Leckermäulern der Schlund aufgerissen werden könnte. Oder ist es eher ein Warnhinweis für Übergewichtige, dass der enthemmte Konsum kalorienhaltiger Süsswaren gesundheitsgefährdend ist?

Die betroffenen Verbraucher haben jetzt zur Vermeidung der vorgenannten Gefahren folgende Möglichlichkeiten:

a) den gesammelten Mars/Snickers-Vorrat gegen Bares zurückzutauschen.
b) Smartphone Besitzer installieren den „Schokoriegel-Checker“. Die kostenlose App prüft das Mindesthaltbarkeitsdatum und gibt Entwarnung oder schlägt Alarm.
c) einfach die Mitteilung abwarten, dass weitere Splitter trotz intensiver Suche in Millionen von Schokoriegeln nicht gefunden wurden.

Gedenktag 11.2.

Beim genauen Hinsehen auf die Zahl wird schnell klar, wieso hier ein sinnvoller Gedenktag geschaffen wurde: 112 = Notruf !!

Papst Johannes Paul II höchstpersönlich legte 1993 diesen Tag fest in Ermahnung der Fürsorge für alle leidenden und kranken Brüder und Schwestern. Gleichzeitig soll jenen Dank und Anerkennung gezollt werden, die sich um die Kranken kümmern - also Ärzten, Pflegern und Freiwilligen Diensten. Das Europäische Parlament gedenkt seit 2009 daran, dass mit der praktischen Anwendung der Zahlenfolge 112 EUweit der Notdienst erreichbar ist.

Der weitaus bekanntere Valentinstag am 14.2. ist als Tag der Liebenden verbreitet ... und in seiner kollektiven Anwendung von Blumenhändlern und anderen Gewerbetreibenden als Tag des dicken Geldes hoch geschätzt.

Im Reich der Verführung

Schöner Schein, verlockende Worthülsen, güldene Versuchung. Dein Briefkasten quillt über vor lauter Prospekten, Broschüren, Anpreisungen mit bunten Bildern oder angeblich nur an dich persönlich gerichteten Briefen mit einmaligen Angeboten. Sie versuchen aufzuschwatzen und zu werben für Produkte, die du eigentlich nicht brauchst. Irgendwo dazwischen findest du vielleicht echte Post oder die Tageszeitung. Die allerdings auch erst von der Werbeflut befreit werden muss.

Dann schaltest du den Fernseher ein und was siehst du zuallererst? Werbung!  Selbst ein Bezahlsender wie SKY, welcher dermaleinst warb, ohne Werbebelästigung auszukommen, schaltet beim Fußball eine Sekunde nach dem Pausenpfiff zum Werbeblock. Seit dieser Saison wird sogar während des Spiels das offenbar Unvermeidliche eingeblendet.

Gehst du durch Straßen und über öffentliche Plätze, worauf fällt permanent dein Blick? Mit absoluter Sicherheit auf Reklame-Reklame-Reklame!

Und als Besitzer einer Emailadresse weißt du ohnehin, was stets und ständig im Postfach auf dich wartet. Auch diese Werbung kommt in vielerlei Gestalt daher. Nervig, aufdringlich, vordergründig, versteckt oder plump.

Wird Werbung humorvoll präsentiert, kann sie durchaus unterhaltsam sein. Zumeist jedoch im Rückgriff auf altbekannte Klischees. Mit einem Klick auf das Foto kannst du dir anhand von Beispielen selbst ein Bild machen...

Alaaf und Helau

Die närrische Jahreszeit erreicht mit der TV-Präsentation einer legendären Prunksitzung und Festumzügen am Rosenmontag vital ihren Höhepunkt. Eine jährliche Wiederkehr gelebter Traditionen und sattsam bekannter Rituale.

Hoppeditz einmal anders präsentiert hingegen die tätowierte Dame im mir zugesandten Video. Was für eine beeindruckende Vorstellung, dachte ich spontan, und genoss die faszinierende Körperkunst gleich zweimal hintereinander

Nachruf

Günther Beyer gehörte sicher zu den besten Fußballern, die für den SV Braunlage von 1921 die Schuhe geschnürt haben. Insbesondere in den späten 70er Jahren überragte Günther mit seiner feinen Technik und seinem Torinstinkt. Noch hörte heute klingt mir im Ohr, wie der damalige Torwart Joshi Begovic ihn immer wieder zu seinen gefürchteten Alleingängen animierte: "Geh, Ginta, geh!" Und Günther ging. In meiner Erinnerung entschieden seine Tore und individuellen Fähigkeiten so manches Spiel zu unseren Gunsten. Auch dem Kader des späteren Meisterteams von 1987 gehörte Günther an. Als sich 2010 die Meistermannschaft zu einem Benefizspiel traf, zeigte er als Abwehrchef nochmals beeindruckend seine fussballerische Qualität. Nun leider ging Günther für immer. Anfang Januar verstarb er mit nur 61 Jahren an den Folgen einer schweren Erkrankung. Zeitungsanzeige

Aufgeschnappt 

Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind ihrer Natur nach höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen. (Schopenhauer, 1788-1860)

Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird. (Morgenstern, 1871-1914)

Scheisse*

Mein Talent fürs Smalltalken ist nach eigener Einschätzung eher unterentwickelt. Treffe ich beispielsweise einen Nachbarn, fällt mir als Gesprächsthema zumeist nur das Wetter ein. So auch heute am frühen Morgen. Der Nachbar ist themenmässig mir ähnlich, aber in seiner Grundausrichtung eher negativ getrimmt.  Ich lasse mich gern drauf ein, denn dass es entgegen aller Unkenrufe und Warnhinweisen von Experten auf künftig schneelose Zeiten mächtig schneit, ist schon ein starkes Stück. Während wir die Schaufel schwingen, überbieten wir uns in Flüche. Diese ganze Scheiße, beginnt mein Nachbar, hätten wir zu Weihnachten gebraucht. Hast du dich mal im Ort umgeguckt? Leer! Dadurch, dass die Scheiße jetzt fällt, kommt kein Gast zusätzlich. Mein Einwand, am Wochenende strömen wieder Massen von Skitouristen, wird abgebügelt. Die Skifahrer fahren abends nach Hause! Die lassen doch kein Geld im Ort. Hast Recht, sage ich, überhaupt regnet es in Bälde wieder, und dann war diese Scheißschaufelei für die Katz. Im Grunde ist der ganze Winter eine einzige Scheiße. Eben, erwidert mein Nachbar, doch können wir die Scheiße ändern? Nein, resümiert er sofort, können wir nicht. Mach das Beste aus dem Tag, sage ich mich verabschiedend. Und freue mich auf sein Schlusswort. Es kommt aus vollem Herzen: Scheiße alles!

 *Verbalinjurie, derb –steht hier für: überflüssig und wert, dass es untergeht.

Bräuche

Feuerwerk zu Silvester - ein MUSS! Jedoch beginnen immer mehr Zeitgenossen mit der finalen Sprengung frei nach dem Motto vieler Radiostationen: Zeitgeschehen und Nachrichten bei uns immer fünf Minuten früher.

Sei nicht der Erste, Neues zu erfassen, der Letzte nicht, das Alte gehn zu lassen.

(Alexander Pope 1688-1744, englischer Dichter)

Nachweihnachtliche Bescherung

Nach den Festtagen finde ich im Briefkasten einen gelben Zettel von der DHL: ein Paket habe nicht zugestellt werden können. Abholung in der DHL-Filiale – jedoch nicht vor 10 Uhr. Erfreulich, denke ich, kann nur ein verspätetes Weihnachtsgeschenk sein, denn eine Bestellung steht nicht aus. Bei der Abholung dann der Schreck: Absender bin ich selbst. Ach du lieber Himmel, das Paket war für die Verwandtenkinder bestimmt. Sofort wird mir auch klar, warum kein „Wir haben uns ja so gefreut!“ – Filmchen mit strahlenden Kids gekommen war.

Ich kontrolliere den Paketaufkleber - alles ordnungsgemäß ausgefüllt. Wieso also wird mir das Paket zugestellt und nicht dem Adressanten? Der Mann am Schalter zuckt mit den Schultern. “Was weiß ich”, meint er lapidar und nicht sonderlich interessiert. Ich solle doch einen Blick auf den Verweis werfen: “Adressant unbekannt!” Und mich lieber mal bei den Verwandten erkundigen, ob die vielleicht umgezogen seien, ehe ich ihn mit weiteren Fragen löchere.

Angesäuert trage ich das Paket wieder nach Hause und fragt nach. Nein, kein Umzug, keine neue Adresse, aber enttäuschte Kinder, da die angekündigten Weihnachtsgeschenke nicht unterm Baum lagen. Aber ja, der Zusteller sei zuverlässig. Ich solle doch die Adresse nochmals genau überprüfen. Und das Transportunternehmen wechseln.

Fazit: Frust bei allen Beteiligten - dazu doppelte Transportkosten für mich.

Jugendsprache 2016

An der Kasse einer Buchhandlung fiel mir ein ungewöhnliches Werk auf: „Jugendsprache 2016“. Ja wie jetzt, denke ich bei mir, steht im Dezember 2015 schon fest, wie Jugendliche im nächsten Jahr fachsimpeln werden? Oder ist es eine Unterweisung, welche Redewendungen die Kids verwenden sollen, um „hip“ zu sein? Natürlich gibt es den Leitfaden nicht umsonst, sondern es gehen 4 € über den Ladentisch. Womit auch klar ist, was den Herausgeber zur Zusammenstellung motiviert hat. Ganz schön clever! Der Umfang des Heftchens ist eher bescheiden zu nennen, denn der Autor beschränkt sich auf die notwendigsten Ausdrucksweisen. So betrachtet, müssen sich die Jugendlichen an Vorgaben nicht allzu viel merken.

Alter, was geht hier ab!, kann ich dazu nur sagen. Ziemlich abgespaced, das Ganze. Aber es bockt total. Hauptsache, diese Flachflöte labert nicht Flatrate. Und da drüben der Empathielegastheniker - der sollte aufhören zu dissen und sein Gegenüber als bildungsresistentes Ameisenhirn und Bergaufbremser zu beschimpfen. Sonst wird er ihn defrienden! Da geh ich doch lieber gleich zur Kasse und steh aktiv an!

Übersetzung gefällig?
Empathielegastheniker  = taktloser Mensch
dissen = ich abfällig über jmd. Äußern
bildungsresistentes Ameisenhirn = dummer Mensch
Bergaufbremser = Angsthase
Aktives Anstehen = sich vordrängeln
defrienden = entfreunden (aus dem Netzwerk entfernen)

 Weitere Beispiele:
Fußpils – Bier unterwegs
Nudelsalat = Party mit Männerüberschuss
Paintballopfer = stark geschminkt
Mumienhopse – Ü30 Party wo Damen mit vermutlich Chicken Wings herumrennen  - (wabbelige Oberarme)
Brombeerbums – Sex mit einer behaarten Frau
Seniorenkonfekt – Tabletten

WEITERE BLOGBEITRÄGE UNTER ARCHIV