PLATT IN BRAUNLAGE

Man spricht Deutsch! Doch eine urdeutsche Sprache gibt es nicht. Deutsch ist eine Sprachmischung. Zusammengebraut aus dem unterschiedlichen Gebrabbele der Franken, Sachsen, Friesen, Bayern, Alemannen oder Schwaben. Die Entwicklung der vielfältigen Stammsprachen zur deutschen Volkssprache dauerte Jahrhunderte. So verwundert es nicht, dass selbst unsere Umgangssprache bis heute uneinheitlich ist. Verschiedene Dialekte produzieren nach wie vor Verständigungsschwierigkeiten.

Im frühen Harz prägte das jeweilige Stammherzogtum die regionale Sprachvariante. Mit dem Aufkommen des Bergbaus mixten die angeworbenen Bergleute und Handwerker ihren muttersprachlichen Dialekt mit dem der Einheimischen. Das führte dazu, dass sich auch in den Oberharzer Ortschaften unterschiedliche Mundarten entwickelten. So besaß fast jedes Dorf eine eigene sprachkulturelle Identität. Davon ausgehend dürfte schon eine Reise in die Nachbargemeinde sprachlich ähnlich angemutet haben wie heute ein Trip ins Ausland. Das Braunlager Platt gehört zur Kategorie der Untermundarten. Wobei der Begriff „ Platt“ an sich schon in die Irre führt, denn platt ist hier oben nichts. Hier bedeutet er soviel wie „verständlich“ oder „deutlich“. -- Und noch gibt es einige ältere Semester,  „de dat Brunläjer Platt spräken“. Kostproben gefällig? bitte Fotos rechts anklicken! ---

Weltweit ist Englisch im Trend, die deutsche Sprache wird künftig über den Status eines Territorialdialekts kaum mehr hinauskommen. Folglich werden viele Mundarten gänzlich aussterben, weil sie keinem Zweck mehr dienen. c/2015 ---- Karte von den Mundarten im Harzgebiet - KLICK

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Ulrichs siin Zeddelkasten

Lange Zeit schlummerte im Heimatmuseum ein Zettelkasten mit über 16.200 Vokabeln im Braunlager Dialekt. Die Zettel stammen aus der Hinterlassenschaft von Oberförster Arthur Ulrichs, der 1927 verstarb. Seitdem versuchten sich einige Zeitgenossen vergeblich an einer Übersetzung.

Auf Bitte des leider früh verstorbenen Museumsleiters Heinz-Jörg Fulst nahm sich Dr.Thomas vor einigen Jahren der schwierigen Aufgabe einer Übersetzung ins Hochdeutsche an. Das Resultat seiner Bemühungen unter oben genanntem Titel präsentierte der Autor dieser Tage in der Stadtbücherei. Die Besucher bekamen gleichmal einen Vorgeschmack vom Inhalt, indem sie auf Braunlager Platt begrüßt wurden. Wer nicht dabei sein konnte und die launige Rede gern nachlesen möchte, klicke bitte hier.

Abgerundet wird die umfangreiche Lektüre mit interessanten Geschichten und Illustrationen aus damaliger Zeit. Erhältlich in der Stadtbücherei, Heimatmuseum, Buchhandlung Bonewitz, Fa.Junker . c/2022

Dr.Rudolf Thomas schrieb ein weiteres Buch "Schriff datt opp". Zu beiden Büchern machte ich mir meine Gedanken und versah sie mit eigenen Erfahrungen....